Kitaschließungen

Im Landkreis Dahme-Spreewald stehen derzeit Überlegungen und vorbereitende Prozesse im Raum, die Kitas betreffen und im Zusammenhang mit der Haushaltssituation sowie dem Prädikatsystem des Landkreises gesehen werden. Auch wenn bislang keine offiziellen Entscheidungen zu Schließungen getroffen wurden, werfen die aktuellen Entwicklungen bei vielen Eltern Fragen und Sorgen auf. Der Kreiskitaelternbeirat (KKEB LDS) möchte über bestehende Abläufe, Vorhaben und finanzielle Rahmenbedingungen informieren, Zusammenhänge verständlich darstellen und diese aus Elternsicht sachlich und kritisch einordnen. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und eine fundierte Grundlage für Dialog, Beteiligung und Meinungsbildung zu bieten.

 

Was bedeutet das „Prädikatssystem“ des Landkreises für unsere Kitas?

 

Viele Eltern fragen sich derzeit, warum in einer Phase vielfältiger Herausforderungen im Bildungssystem Einsparungen im Bereich der frühkindlichen Bildung in den Fokus rücken und dabei die Zukunft einzelner Kitas zur Diskussion steht. Hintergrund ist die gesetzlich vorgesehene Bedarfsplanung des Landkreises, in deren Rahmen Kitas im sogenannten Prädikatssystem bewertet werden.

 

1. Wie entscheidet der Landkreis?

 

Der Landkreis prüft regelmäßig:

  • die aktuellen Kinderzahlen (unter 3 Jahre, über 3 Jahre, Hort),
  • die prognostizierte Entwicklung der Kinderzahlen,
  • die vorhandenen Platzkapazitäten,
  • die tatsächliche Auslastung der Einrichtungen,
  • sowie qualitative Kriterien wie besondere pädagogische Konzepte, inklusive Angebote, flexible Betreuungszeiten und die zumutbare Erreichbarkeit.

Auf dieser Grundlage erhalten Einrichtungen ein Prädikat („erforderlich“, „bedingt erforderlich“ oder „nicht erforderlich“). Ist eine Kita über längere Zeit unterausgelastet und besteht nach Prognose kein steigender Bedarf, kann sie als bedingt oder nicht erforderlich eingestuft werden – auch wenn sie pädagogisch gut arbeitet und über eine Betriebserlaubnis verfügt.

 

2. Was passiert mit solchen Kitas?

 

Der Landkreis:

  • ordnet keine Schließung an,
  • kann jedoch bei Einrichtungen, die nicht (mehr) als erforderlich gelten, die öffentliche Förderung perspektivisch beenden.

Formal darf die Kita weiter bestehen. Praktisch ist ein Betrieb ohne öffentliche Finanzierung für viele Träger kaum möglich.

 

3. Wer muss dann zahlen?

 

Wenn eine Kommune die Kita erhalten möchte, muss sie die Kosten selbst übernehmen. Rechtlich ist das möglich – praktisch ist es für viele Kommunen finanziell nicht leistbar.

 

Das führt dazu, dass Kitas schließen, nicht weil sie schlecht sind, sondern weil das Geld fehlt.

 

4. Warum trifft es oft kleine Kitas?

 

Kleine Einrichtungen können Schwankungen bei Kinderzahlen schlechter ausgleichen. Flexible Gruppen oder besondere Konzepte werden nicht extra berücksichtigt. Qualität, Nähe zum Wohnort oder soziale Bedeutung spielen in der Finanzierung keine Rolle.

 

Entscheidend ist allein die rechnerische Auslastung.

 

5. Was bedeutet das für Familien?

 

Für Familien bedeutet das häufig:

  • Wechsel der Betreuungseinrichtung,
  • längere Wege,
  • Verlust gewachsener Strukturen,
  • geringere Planungssicherheit.

Dies steht für viele Eltern im Widerspruch zu dem Anspruch, familienfreundliche und wohnortnahe Betreuung zu sichern.

Gleichzeitig wird beklagt, dass immer weniger Familien Kinder bekommen, ein Widerspruch, den viele Eltern nicht mehr nachvollziehen können.

 

6. Das Grundproblem in einem Satz

 

Der Landkreis ist rechtlich verpflichtet, den tatsächlichen Bedarf an Betreuung zu finanzieren. Das Grundproblem liegt in der rückwärts wirkenden Logik der Bedarfsplanung: Sie wurde in einer Phase entwickelt, in der es zu wenige Betreuungsplätze gab. Ziel war es, schnell möglichst viele Plätze zu schaffen und den Rechtsanspruch zu sichern. Auslastung und rechnerischer Bedarf waren deshalb vorrangige Steuerungsgrößen.

 

In einer Situation sinkender Kinderzahlen kehrt sich diese Logik jedoch um: Statt die frei werdenden Kapazitäten für kleinere Gruppen, bessere Qualität und Entlastung des Personals zu nutzen, führt dieselbe quantitative Steuerung dazu, dass Einrichtungen unter Druck geraten, wenn sie nicht mehr voll ausgelastet sind. Die Bedarfsplanung reagiert damit auf veränderte Rahmenbedingungen, ohne ihre Grundannahmen anzupassen.

 

Fazit

 

Kitas geraten nicht deshalb unter Druck, weil sie unnötig oder qualitativ schlecht sind, sondern weil die Bedarfsplanung weiterhin einer Logik folgt, die aus Zeiten des akuten Platzmangels stammt. Sie ist vor allem darauf ausgerichtet, Auslastung und rechnerischen Bedarf zu steuern – nicht darauf, Qualität weiterzuentwickeln oder das pädagogische Personal zu entlasten.

 

Sinkende Kinderzahlen würden grundsätzlich die Chance eröffnen, Betreuung qualitativ zu verbessern, Gruppen zu entlasten und stabile Strukturen zu sichern. Diese Chancen werden jedoch bislang nicht genutzt, weil die dafür notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen im Landkreis nicht geschaffen wurden. Stattdessen wird die Bedarfsplanung zunehmend auch als Instrument eingesetzt, um Haushaltsdefizite durch Einsparungen im Bereich der Kindertagesbetreuung zu begrenzen.

 

Die Folge ist, dass sich weder die Arbeitsbedingungen für Fachkräfte noch die Qualität der Betreuung spürbar verbessern. Besonders kleinere, wohnortnahe Einrichtungen geraten unter Druck, obwohl sie für Familien und Kinder eine wichtige Rolle spielen. Eine zukunftsfähige Kita-Politik erfordert daher nicht nur eine Anpassung der Bedarfszahlen, sondern eine bewusste politische Entscheidung, Qualität, Stabilität und gute Arbeitsbedingungen auch finanziell abzusichern.